Grube-Rosenfelde LA 83. Dreidimensionale Rekonstruktion des Fundplatzes Grube-Rosenfelde LA 83 (© Rotharis).

Ina-Isabelle Schmütz

Grube-Rosenfelde LA 83, Kreis Ostholstein – Ein Funktionsplatz der akeramischen Ertebølle-Kultur in Schleswig-Holstein
Published: September 11, 2020 | DOI: https://doi.org/10.3846/offa.v71n0.435

Ina-Isabelle Schmütz
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Abstract

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Ergebnisse aus den insgesamt über 160 m2 umfassenden Grabungsflächen von Grube-Rosenfelde LA 83 vorzulegen und zu interpretieren, die in den Jahren 2001 und 2003 unter der Leitung von Sönke Hartz, Archäologisches Landesmuseum, Schleswig, untersucht wurden. Es fällt auf, dass die Forschung sich noch immer an den Landesgrenzen orientiert. Chronologische Fragestellungen sind schwierig zu beantworten, da im Verbreitungsgebiet der Ertebølle-Kultur nur wenige geschlossene Inventare vorliegen und naturwissenschaftliche Datierungen fehlen. Dies gilt insbesondere für das heutige Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, so dass den Untersuchungen von Hartz und Lübke ein bedeutender Stellenwert zukommt. Eine zusammenfassende Arbeit zu chronologischen Fragestellungen hinsichtlich der Ertebølle-Fundplätze mit den aktuellen wissenschaftlichen Daten für den südskandinavischen und den norddeutschen Raum stellt bis heute ein Forschungsdesiderat dar. 

Die Geländekuppe, auf der Rosenfelde liegt, wurde im Laufe der Transgression in Teilen überschwemmt, blieb aber noch bis in das Spätneolithikum als solche erhalten. Die küstennahe Lage auf Inseln und Halbinseln und der daraus resultierende Zugang zu marinen Ressourcen macht die Attraktivität dieser Siedlungsplätze aus. Die Erhaltungsbedingungen für organisches Material am Fundplatz Rosenfelde sind als gut zu bezeichnen. Zu den Funden gehören neben Steinartefakten auch Tierknochen, Hölzer und botanische Reste. Hinsichtlich des Steinmaterials konnte ein kleines Werkzeugspek­trum bestehend aus mehreren Kernbeilen, Bohrern, querschneidigen Pfeilspitzen, endretuschierten und kantenparallelen Klingen sowie entsprechende Klingenkerne nachgewiesen werden. Keramik und flächenretuschierte Scheibenbeile fanden sich nicht. Schon während der Ausgrabungen wurde aufgrund dieser Fundzusammensetzung vermutet, dass es sich um eine Siedlung aus der frühen Ertebølle-Phase handelt. Die vier für den Fundplatz Rosenfelde existierenden 14C-Daten liegen im Bereich von 5300–4500 cal BC und belegen eine relativ lange Besiedlungszeit, die bisher nicht weiter untergliedert werden konnte. 

Die Menge der Fischknochen und auch die Artenvielfalt im Vergleich zu spät-ertebøllezeitlichen Fundplätzen wie Neustadt LA 156, Grube-Rosenhof LA 58 oder Timmendorf-Nordmole ist gering. Fast drei Viertel der geborgenen Fischknochen entfallen auf den Flussaal, von diesen zeigt die Mehrzahl Feuereinwirkung. Damit liegt nahe, dass der Aal auch am Ort zubereitet oder haltbar gemacht worden ist. Fischfang wird ebenfalls durch Holzfunde wie Paddel, Reusen und Aalstechersprossen belegt, sie sind Anzeichen für eine intensive und spezialisierte Nutzung des marinen Nahrungsangebotes. Die Funde von gebrannten Haselnussschalen, bearbeiteten Hölzern und Säugetierknochen belegen zusätzlich die Nutzung des Umlandes als Jagd- und Sammelreviere und zur Beschaffung von Rohmaterial. Die Knochen mit Arbeitsspuren deuten auf das Zerlegen der Tiere, das Auslösen des Fleisches und auf die Gewinnung von Knochenmark hin. Von Bedeutung ist, dass außer Hunden keine domestizierten Tierarten nachgewiesen werden konnten. 

Insgesamt ist im Vergleich mit anderen ertebøllezeitlichen Fundplätzen das Tierartenspektrum verhältnismäßig klein. Es wird dominiert von Ur, Rothirsch und Wildschwein, deren Knochen zum Teil im Verbund liegen. Knochen größerer Seesäuger sind selten, sie scheinen also nicht oder nur ausnahmsweise gejagt worden zu sein. 

Die Beschreibung der Profile hat gezeigt, dass die Schichten im Bereich der Siedlung weitgehend horizontal verlaufen und dann nach Süden und Osten hin stark abfallen. Im Westprofil der Fläche von 2001 konnte der ehemalige Uferbereich lokalisiert werden, der weitgehend fundfrei ist. An Befunden sind zwei Feuerstellen und eine halbrunde Struktur aus Steinen, liegenden Hölzern und Knochen zu nennen, die sich im Osten der Fläche 2003 sowohl im Planum als auch in den Fundverteilungen abzeichneten. 

Die Erhaltung und Verteilung der Absplisse auf dem Fundplatz belegen, dass sie sich in originärer Position befinden und beim Meeresspiegelanstieg nicht oder nur unwesentlich umgelagert wurden. Die vertikale Fundverteilung in den Profilen ergab, dass bis auf die Decksedimente praktisch alle Schichten (1b, 2, 3, 4, 5 und 6) fundführend sind und der basale Bereich der Schicht 3 aufgrund der oben angegebenen Verteilungen als Laufhorizont interpretiert werden kann. 

Um weitere Hinweise auf die Struktur des Fundplatzes zu erlangen, wurden Verteilungsmuster für Grundformen und Geräte erarbeitet. Es zeigte sich in allen Verteilungen eine kleine Anhäufung im Bereich der Feuerstelle entlang des Nordprofils und in südliche Richtung, die als nicht näher zu differenzierende Aktivitätszone anzusprechen ist. In der Fläche von 2001 konnte in der Nähe des Westprofils zudem eine Abschlagkonzentration (Schlagplatz) nachgewiesen werden. 

Im Bereich der halbrunden Struktur im Osten der Fläche von 2003 zeichnet sich eine geringere Funddichte ab, die zusammen mit den Feldsteinen als Hinterlassenschaft einer Zeltbehausung mit Mittelpfosten interpretiert wird. Gestützt wird diese Deutung durch die Verteilung der Holzfunde. Weitere Pfosten stehen im Süden der Grabungsfläche paarig in geringem Abstand von 1,5–3 m. Der Innenbereich dieser Pfostenstruktur bleibt in den weiteren Verteilungen des Fundmaterials weitgehend fundleer. Aufgrund der Lage der Pfosten nahe dem ehemaligen Uferbereich wurden sie als Reste einer Uferbefestigung interpretiert. 

Festzuhalten ist, dass alle Befunde und Funde auf die besondere Funktion des Fundplatzes hinweisen, der als spezialisierte Fangstation bezeichnet werden kann. Mit Grube-Rosenfelde LA 83 liegt nicht nur der erste ausgegrabene akeramische Küstenplatz der Ertebølle-Kultur in Schleswig-Holstein vor, sondern auch eine Siedlung, deren Befund- und Fundsituation eindeutige Hinweise auf spezielle Aktivitäten liefert.

Quote

Zitationsvorschlag
Schmütz, I.-I. (2020). Grube-Rosenfelde LA 83, Kreis Ostholstein – Ein Funktionsplatz der akeramischen Ertebølle-Kultur in Schleswig-Holstein. Offa – Berichte Und Mitteilungen Zur Urgeschichte, Frühgeschichte Und Mittelalterarchäologie, 5–56. https://doi.org/10.3846/offa.v71n0.435

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