Hammelev. Gefäßeinheit 2, ein gering verzierter dreigliedriger Becher (Auf.-Nr. 1002). Foto J. Holm; Profilzeichnung Verf.

Binnie Feierabend

Hammelev, Haderslev Kommune, Sønderjylland – Eine Studie zu rituellen Gruben der Einzelgrabkultur
Published: September 11, 2020 |

Binnie Feierabend
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Abstract

In den Jahren 2001–2006 wurde westlich der Kirche in Hammelev, Hammelev sogn, durch das Museum Sønderjylland – Arkæologi Haderslev eine Fläche von insgesamt 4,5  ha archäologisch untersucht. Der Fundplatz befindet sich in Südjütland in der Moränenlandschaft der Weichseleiszeit und liegt auf der Nordseite des zum Haderslev-Fjord gehörenden Urstromtals. 

Unter den in die Tausende gehenden Befunden wurden im Zuge der Ausgrabungen drei ungewöhnliche Gruben der Einzelgrabkultur dokumentiert, die in ihrer Zeitstufe auf dem Fundplatz isoliert liegen. In einem Umkreis von wenigen Kilometern sind jedoch einige Siedlungshinterlassenschaften und Gräber der Einzelgrabkultur erfasst. Die Befunde von Hammelev unterscheiden sich in ihrer Form und ihrem Aufbau sowie in ihrer Verfüllung und dem Fundmaterial grundlegend von anderen Gruben, wie sie in großer Zahl in Siedlungen vom Neolithikum bis zur Eisenzeit vorkommen. 

Eine der Gruben liegt auf einer kleinen Kuppe, eine weitere etwa 30  m entfernt  1 m tiefer, die dritte liegt in gut 50  m Abstand wiederum niedriger im Gelände. Die Gruben sind 2 m tief ausgehoben worden und standen nur kurze Zeit offen. Ein funktionaler Zweck ist nicht erkennbar und im ersten Füllmaterial liegen keinerlei Funde. 

Auf der frischen Verfüllung entstand im Folgenden jeweils eine humose Schicht mit Holzkohlestückchen. In zwei der Gruben sind in diesem Horizont zahlreiche Flintabfälle der Geräteproduktion enthalten sowie Feuersteingeräte und fünf intentionell zerscherbte Keramikgefäße niedergelegt worden. Einige der Becher sind beinahe vollständig, andere nur fragmentarisch in die Gruben gelangt. Die Scherben zweier Gefäße liegen dabei auf die beiden etwa 30 m voneinander entfernten Gruben verteilt. Das Material weist große Ähnlichkeiten zu Beigabengefäßen in Gräbern der Einzelgrabkultur auf und einige Exemplare sind auch im Zusammenhang von Brandbestattungen als Urnen bekannt. In einer der Gruben deuten Keramikbruchstücke aus dem Herstellungsprozess auf die Produktion von Gefäßen am Fundplatz hin. 

Die Keramikfunde sind mit Kleingeräten aus Feuerstein und Abfallprodukten ihrer Herstellung vergesellschaftet. Für einige der Geräte ist der Gebrauch im Zuge einer Bearbeitung von Steinmaterial greifbar. Insbesondere kann für ein lateral retuschiertes Exemplar eine Verwendung für das Einritzen von Verzierungen in Felsgesteinäxte oder -platten als wahrscheinlich gelten. 

Die Deponierungen wurden mit Bodenmaterial abgedeckt und in einer der Gruben wurde bald dar­auf eine zweite Niederlegung vorgenommen. Diese enthält neben mehreren unmodifizierten Felsgesteinen und Flintabfällen, sieben Mahlsteinfragmente, ein Flintbeil und einen Schleifstein sowie zahlreiche Feuersteinschaber. Letztere weisen auf eine Verarbeitung von Holz, Knochen oder Geweih hin, mit einigen ist aber auch an Steinmaterial gearbeitet worden. Das Säubern oder Ebnen von Mahlsteinflächen ist aufgrund des Fundkontexts als Verwendung für diese Geräte denkbar. Anhand der Flintabschläge ist in demselben Horizont außerdem die Produktion mindestens eines Beils erfasst, welches möglicherweise das niedergelegte Exemplar ersetzen sollte. 

Die Gruben datieren anhand der typologischen Auswertung der Keramik und eines ­14C-Datums in das späte Jungneolithikum, 2450–2250  v. Chr. Die Keramik deutet die Einordnung in einen jüngeren Abschnitt dieser Zeitstufe an, also nach 2350  v. Chr. 

Einige vergleichbare neolithische Befunde sind aus Mitteljütland bekannt und zum Teil fundleer, wie auch die dritte Grube des Fundplatzes, in anderen befinden sich wenige Keramikfragmente und Flintartefakte. Auch in jenen Grubenbefunden kommen in zahlreichen Fällen mehrere Schichten mit Holzkohle und Fundgegenständen vor. 

Die Gruben von Hammelev weisen im Verhältnis zu den anderen Fundstellen aber bei Weitem die meisten Funde auf. In keinem der anderen Befunde ist außerdem wie in einer der Gruben vom Fundplatz eine Deponierung von Mahlsteinfragmenten, einem Flintbeil oder einem Schleifstein vorgenommen worden. 

Im Kontext mit anderen rituellen Hinterlassenschaften aus neolithischen Fundzusammenhängen können den Gruben von Hammelev nur wenige Vergleiche mit den gewöhnlichen Depotfunden zur Seite gestellt werden. Ähnlichkeiten im Fundmaterial sind eher für die Gräber und Totenrituale der Einzelgrabkultur gegeben. Es sind außerdem mehrere Parallelen zu den Erdwerken der Trichterbecherkultur und zu den Palisadenkonstruktionen der älteren Einzelgrabkultur greifbar. Deren zukünftige Erforschung wird möglicherweise weitere Indizien für die Deutung der Fundsituation in Hammelev liefern. Zudem ist anhand von detaillierten Befundbeobachtungen bei Ausgrabungen neolithischer Gruben in Jütland mit zusätzlichen, vergleichbaren Befunden zu rechnen, die die Interpretation erhellen könnten. 

Quote

Zitationsvorschlag
Feierabend, B. (2020). Hammelev, Haderslev Kommune, Sønderjylland – Eine Studie zu rituellen Gruben der Einzelgrabkultur. Offa – Berichte Und Mitteilungen Zur Urgeschichte, Frühgeschichte Und Mittelalterarchäologie, 57–148. Abgerufen von http://ojsdemo.com/index.php/ojsa/article/view/436

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